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Börse / Finanzkapital

Ist der heutige Kapitalismus ein "finanzmarktgetriebenen Kapitalismus", dessen Finanzsektor Krisen hervortreibt, die dann auf die "Realwirtschaft" überspringen, wie häufig gesagt wird.

"Die von den USA ausgehenden Schockwellen haben den deutschen Finanzmarkt im Sommer 2007 nahezu unverzüglich erreicht. Die Realwirtschaft konnte sich dem daraus entstehenden Sog nicht entziehen." (Axel A. Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank am 12.5.2009) In der "linken Diskussion" wird die Krise ebenfalls auf Instabilitäten des Finanzsektors, auf einen aus den Fugen geratenen "Casino-Kapitalismus" zurückgeführt. Als Therapie fordern Merkel, Weber, ATTAC, Linkspartei, Gewerkschaften etc. eine Kontrolle der Finanzmärkte bis hin zu Verstaatlichungen von Banken. 

Gegen solche Meinungen richtet sich diese Rubrik.

Hier wird die Position vertreten, dass die Finanzmarktkrise von 2008 nur die auffällige Erscheinungsform einer allgemeinen Krise war, die ihre Ursachen in den Widersprüchen und Gegensätzen der kapitalistischen Warenproduktion hatte. Demgegenüber machen die bürgerlichen Schönredner eine Erscheinungsform der Krise zu deren Ursache.

An den Finanzmärkten werden Wertpapiere verschiedenster Art gehandelt: Aktien, Anleihen, Devisen, Futures, Optionen etc. Solche Wertpapiere entstehen zunächst einmal aus den Bedürfnissen von Warenproduktion und Handel bzw. aus dem Bedürfnis des Staates, über seine Steuereinnahmen hinaus Geld auszugeben.

Die Aktien sind kein wirkliches Kapital. Sie repräsentieren Kapital, das in Unternehmen angelegt ist. Sie stellen fiktives Kapital vor. Auch die Unternehmensanleihe ist kein wirkliches Kapital; sie ist nur Anspruch auf Geld (Rückzahlung und Verzinsung), nicht aber das Geld selbst, das vom Kreditgeber an das Unternehmen fortgegeben wurde und hier als wirkliches Kapital fungiert.

Die Staatsanleihen erscheinen als jederzeit veräußerbares “Geldkapital”. Bei näherem hinsehen besteht der Kapitalcharakter nur in der Kapitalisierung der vom Staat zu leistenden Zinszahlungen. Statt wirkliches Kapital zu sein, verbirgt sich hinter den Staatspapieren eine Schuld, in deren Höhe ein gleich großes Kapital vergeudet worden ist und der Anleihe als Nenner diente. Indem jemand solche Staatspapiere kauft, hat er nur Schuldforderungen auf den Staat gekauft, besitzt fiktives, illusorisches Kapital.

Dass Ausgabe und Handel von Wertpapieren mit Betrug einhergehen, bewies der Kapitalismus schon vor mehr als 200 Jahren. Hören wir dazu den Vater der politischen Ökonomie, Adam Smith:

„Die Südsee-Gesellschaft“, schreibt er in Wohlstand der Nationen, „verfügt über ein enormes Kapital, das sich auf ungewöhnlich viele Eigentümer (die sich, wie Smith meint, um das Geschäft selten kümmern würden) verteilte. Daher war durchaus zu erwarten, dass Torheit, Nachlässigkeit und Verschwendung in der Geschäftsführung allenthalben vorherrschen werden. Ihre schurkischen und überspannten Börsenspekulationen und Projekte sind weithin bekannt und weitere Ausführungen darüber würden unseren Rahmen sprengen.“

Ein Betrug besonderer Art ist die Staatsverschuldung. Hauptsächlich in Zeiten von Kriegen und Krisen nimmt das Verschuldungsbedürfnis des Staates derart zu, dass der Staat sich das Geld von seiner Notenbank holt und so systematisch Geldfälschung betreibt. Er nimmt dann nicht nur auf dem Kapitalmarkt neue Kredite auf, um alte Schulden zu begleichen (Schneeballsystem), sondern er lässt bei seiner Notenbank wertlose Papierzettel als Banknoten drucken, mit denen er einkaufen geht.  

Diese Art der Geldfälschung wirkt in Richtung Inflation und Währungsreform.

 Mehr dazu:

Die Lehre vom finanzmarktgetriebenen Kapitalismus  – eine bürgerliche Legende


Auszug aus: Herrschaft des Finanzkapitals? Versuch einer theoretischen Klärung. In: Diskurs Heft 42 der Rosa Luxemburg Stiftung: Welcher Kapitalismus, welche Krise? Finanzmarktkapitalismus in der Diskussion

Auszug: Das Finanzkapital - eine Kritik der klassischen Theorie bei Hilferding

Mythos Bankenmacht

Ende der Krise in Sicht?

Kredit und fiktives Kapital

Hilferding.doc

Macht der Börse.doc


Mythos Finanzmarktkrise

Bücher:
Guenther Sandleben, Finanzmarktkrise - Mythos und Wirklichkeit. Wie die ganz reale Wirtschaft die Krise kriegt, Norderstedt 2011 

Guenther Sandleben, Nationalökonomie & Staat, Hamburg. Zur Kritik der Theorie des Finanzkapitals, VSA-Verlag 2003

Guenther Sandleben / Jakob Schäfer, Apologie von links. Zur Kritik gängiger linker Krisentheorien, Neuer ISP Verlag, 2013